Angela Merkel (Bundeskanzlerin) ist heute in Paris. Der 11. November ist nun nicht irgendein Tag, sondern der Tag, an dem Deutschland 1918 kapitulirte und damit den Ersten Weltkrieg verlor. Das Friedensdiktat, das auf die Kapitulation folgte, folgte vor allem dem französischen Wunsch nach demütigender Schwächung des starken Nachbarn, und so kann der 11. November 1918 für Deutschland keinesfalls als Friedenstag bezeichnet werden. Das hat auch Lorenz Jäger in der FAZ vom 31. Oktober festgestellt.
Es ist nun so, daß der französische Ministerpräsident Sarkozy grade Angela Merkel in Berlin besuchte, um den 20. Jahrestag der „friedlichen Revolution“ samt Mauerfall zu begehen. Im Gegenzug reist sie nun nach Paris, um den französischen Siegestag zu feiern, den Sarkozy gleich in einen Tag der deutsch-französischen Versöhnung umwidmen möchte.

Diesem Ansinnen sollte aus deutscher Sicht nicht nur das bereits Gesagte entgegenstehen: der 11. November 1918 ist nun einmal der Tag, von dem an Deutschland offiziell wehrlos den Anektierungsversuchen der Polen im Osten und der Franzosen im Westen ausgesetzt waren – von den wirtschaftlichen Knebelungen ganz zu schweigen. Jäger:
“Auf die Idee, dass ein deutscher Bundeskanzler an den Feiern teilnehmen könnte, die des Sieges über sein eigenes Land gedenken, kam man erst spät – früher gab es ein Taktgefühl, das diesen Gedanken ohne weitere Debatten ausschloss. Erst Gerhard Schröders Absage 1998 machte ein Politikum aus dem Fernbleiben. Er hatte die Einladung von Jacques Chirac ausgeschlagen, aber geschichtspolitisch unweise und sehr zweideutig Terminprobleme vorgeschoben, anstatt ein klares Wort zur Sache zu sagen.”
Die große Versöhnungsgeste zwischen Sarkozy und Merkel soll ausgerechnet unter dem Arc de Triomphe stattfinden, der zugleich das Grab des Unbekannten Soldaten überwölbt.
Nun ist ein Triumphbogen nur des einen Triumphsymbol. Der (vielmehr: die) andere muß darin das zwar mittlerweile historische, aber doch lange Zeit ungeheuer wirkmächtige Joch wahrnehmen, unter das das eigene Volk sich zu beugen hatte. Jäger:
“Zudem wird der 11. November in Paris auch mit einer Militärparade gefeiert. Der Händedruck von Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun, dem Ort der schlimmsten Schlächtereien, hatte einen ganz anderen Charakter. Diese Geste der Versöhnung war nicht nur legitim, sondern ein historischer Moment: Denn sie war nicht in eine Siegesfeier und eine Demonstration der eigenen militärischen Macht eingebunden, wie sie eine Parade notwendig darstellt.”
Was also sucht Merkel in Paris? Das fragt sich Jäger auch, der angibt, die Nachricht von der Reise erzeuge bei ihm
“ein leises Schaudern. Ist die Mimikry der Bundesrepublik auf ihrem „langen Weg nach Westen“ nun so weit gediehen, dass man sich in einer erinnerungspolitischen Gymnastik als der Besiegte den Siegern zugesellen will?”
Artikel von SEZESSION

Erste Weltkrieg forderte etwa 8,5 Millionen Tote und mehr als 21 Millionen Verwundete.
Wir gedenken heute aller Opfer dieses Krieges. Unser besonderes Gedenken gehört heute den 2 Millionen deutschen Soldaten, die für Volk und Vaterland treu und ehrenvoll ihr Leben ließen.
Am 11.November 1918 um 11 Uhr schwiegen die Waffen. Waffenstillstand! In Folge wurde Deutschland im Versailler Diktat erniedrigt und betrogen und damit ein Keim für den nächsten Waffengang – den 2.Weltkrieg gelegt:
Die Vorgeschichte
Das deutsche Drama nach dem Ersten Weltkrieg beginnt damit, daß US-Prädident Wilson der deutschen Seite noch im Kriege einen Friedensschluß anbietet, den die Sieger später ignorieren. Wilsons Friedensangebot – die sogenannten 14 Punkte - enden mit den Sätzen:
„Wir sind nicht eifersüchtig auf die deutsche Größe und es ist nichts in diesem Angebot, das sie verringert. … Wir wünschen nicht, Deutschland zu verletzen oder in irgendeiner Weise seinen berechtigten Einfluß oder seine Macht zu hemmen. … Wir wünschen nur, daß Deutschland einen Platz der Gleichberechtigung unter den Völkern einnimmt, statt eines Platzes der Vorherrschaft.“
Dem US-Angebot folgen je fünf Noten von amerikanischer und von deutscher Seite, in denen man sich gegenseitig versichert, daß man sich an die 14 Punkte halten wolle. Die einzige Abtrennung deutsch besiedelten Gebietes, die schon dort vereinbart wird, ist die Abtretung Elsass-Lothringens an Frankreich. Mit der Zusicherung „Wir wünschen nur, daß Deutschland einen Platz der Gleichberechtigung unter den Völkern einnimmt.“ legt Deutschland seine Waffen nieder und beginnt, die Truppen aufzulösen.
Die Konferenz
Es kommt zum Waffenstillstand und der Konferenz von Versailles, die in fataler Weise Geschichte schreiben wird. Die Konferenz leitet nun nicht mehr Woodrow Wilson, dessen 14-Punkte-Vorschlag die deutsche und österreichisch-ungarische Seite verleitet hatte, ihre Truppen von den Fronten abzuziehen und in der Heimat aufzulösen. Die Konferenz leitet der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau. Clemenceau erkennt die 14 –Wilson-Punkte in den Teilen, die Deutschlands Nachkriegsrechte sichern sollten, nicht mehr an, und er lässt die deutsche Konferenzdelegation auch nicht zu den Verhandlungen zu. So verhandeln Briten, Franzosen, Amerikaner, Belgier, Polen und weitere 22 Siegerstaaten geschlossen unter sich. Sie beschließen die Abtrennung deutscher Gebiete und die Geld- und Sachreparationen, die Deutschland an sie abtreten, zahlen oder leisten soll. Sie legen die nach Versailles genannte Nachkriegsordnung für Europa zu den alleinigen Lasten der Besiegten fest.
Am 7. Mai 1919 werden die von den 27 Siegerstaaten festgelegten Bedingungen erstmals der deutschen Delegation eröffnet. Clemenceau überreicht sie mit den Worten: „Die Stunde der Abrechnung ist da.“ Die Bitte der deutschen Delegation, den „Vertrag“, den sie nun unterschreiben soll, vorher zu verhandeln, wird abgelehnt. Um dem Ausmaß ihrer Forderungen den Anschein von Berechtigung zu geben, versteigen sich die Sieger dazu, Deutschland und seinen Kriegsverbündeten die Alleinschuld am Ersten Weltkriegs zuzuschreiben. Der Vertrag verlangt von Deutschland eine große Zahl von Land- und Bevölkerungsabtretungen: das zu 88% deutschsprachige Elsaß-Lothringen an Frankreich, die Provinzen Posen, fast das ganze, zu 70% deutschsprachige Westpreußen und das oberschlesische Industriegebiet an Polen, das Memelgebiet an den Völkerbund, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Nordschleswig an Dänemark, das Gebiet um die zwei Städte Eupen und Malmedy an Belgien und Danzig mit dem Umland als Freistaat unter die Hoheit des Völkerbunds. Der Vertrag stellt das Saargebiet für 15 Jahre unter Frankreichs Herrschaft. Er verbietet außerdem den Anschluß Rest-Österreichs an Deutschland, den die neue Wiener Nationalversammlung gleich nach dem Krieg gefordert hatte. Mehr als die Landverluste schmerzen die erzwungenen Bevölkerungsabtretungen. Die Ausgliederung von 7 Millionen Menschen aus dem Deutschen Reich und die Grenzen neuer Staaten trennen Millionen von Familien auf unbestimmte Dauer. Mit dem Vertrag verliert Deutschland seine Kolonien, zumeist an England. Die Streitkräfte werden auf 100.000 Mann im Heer und 15.000 in der Marine reduziert. Das Deutsche Reich muß den größten Teil der Handelsflotte und der Goldreserven an die Sieger übergeben, dazu einen Großteil seiner jährlichen Eisenerz- und Kohleförderung, Unmengen von Nutzvieh und Landwirtschafts-maschinen, 150.000 Eisenbahnwaggons und viele tausend Lokomotiven und Lastkraftwagen. Das gesamte private Auslandsvermögen und unzählige Industriepatente werden konfisziert. Die Geldzahlungen sind exorbitant und über 70 Jahre zu bezahlen. Deutschland wird sie, wie sich später zeigen wird, nie in voller Höhe zahlen können.
Die Folgen
Die unmittelbarste Folge sind die Ausweisung oder Flucht von über einer Million Deutscher aus ihrer Heimat in das deutsche Kernland, das zu der Zeit weder Arbeitsplätze noch Wohnraum noch soziale Hilfe für die Vertriebenen im nötigen Maße bieten kann. Dazu kommen über 20 Jahre lang für viele Millionen Deutsche, die sich entschlossen hatten, in ihrer angestammten Heimat zu verbleiben, eine Mischung von unfreundlicher Duldung, Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung in den Staaten, denen sie nun ungefragt und ungebeten angehören müssen. Die kurze Zeit bis 1939 läßt kein Vergessen der selbst erlebten Schicksalsschläge zu. Als ab 1934 die wirtschaftliche Lage Deutschlands wieder deutlich besser wird, und die Vertriebenen in ihrer Mehrzahl wieder Arbeit, Lohn und Wohnraum finden, und als zwischen 1935 und ´38 erst des Saargebiet, dann die Sudetenlande und dann das Memelgebiet und damit über 3 Millionen Deutsche „heim ins Reich“ kehren, wollen vor allem diese gerade von der Fremdherrschaft erlösten Menschen sicher nicht schon 1939 wieder eine nächsteNiederlage gegen ihre Fremdherrschaft von gestern. Für sie – wie für die Mehrheit aller Deutschen - ist der neue Kriegsanlaß von 1939 – Danzig, die Verkehrswege ins abgetrennte Ostpreußen und die Garantie der Menschenrechte für die in Polen lebenden Volksdeutschen - nur die konsequente Fortsetzung einer Außenpolitik, die ihnen gerade selbst die Befreiung von einer Fremdherrschaft beschert hat.
Der Erste Weltkrieg ist für fast alle kämpfenden Parteien auch ein finanzieller Opfergang gewesen. Die Deutschen hatten ihre Kriegsausgaben mit Steuern und mit Staatsanleihen selber finanziert. Briten und Franzosen hatten sich die nötigen Gelder größtenteils bei Banken in Amerika geliehen. Die Kriegskosten der USA dagegen waren durch den späten Eintritt in den Krieg relativ gering geblieben. So versuchen die Regierungen Englands und Frankreichs, ihre Kriegsschulden und Kriegslasten nach 1919 aus dem besiegten Deutschland einzutreiben.
Deutschland werden demzufolge nicht nur Kolonien, Auslandsvermögen, Patente und Industrieanlagen von immensen Werten abgenommen, sondern die neue deutsche Republik soll neben Sachleistungen wie Kohle, Holz, Vieh und anderem auch in „barem“ Geld bezahlen.
Reparationen in Geld, Gold und Devisen
Als erstes muß Deutschland 1919 zur Sicherung der noch nicht festgelegten Reparationen bei ausländischen Banken eine Schuldverschreibung über 100 Milliarden Goldmark unterschreiben und dafür ab der Unterzeichnung 5% Zinsen – das sind 5 Milliarden Goldmark jährlich - zahlen. Um die Größenordnung zu verstehen, sei erwähnt, daß Frankreich 1871 nach einem Kriege, den es selbst verursacht, erklärt und dann verloren hatte, mit einer Gesamtreparation von ca. 5 Milliarden Goldfranken ( gleich ca. 4 Mrd. Goldmark ) davongekommen war. Die alliierten Sieger verlangen 1919 statt dessen einen Beitrag in fast der gleichen Höhe, aber einmal jährlich, und das ohne Tilgungsanteil.
Im Januar 1921 legen die Siegermächte dann die Gesamthöhe der Reparationen Deutschlands für die nächsten 42 Jahre fest: ca. 331 Milliarden Goldmark. Auch hier zwei Zahlen zum Vergleich. Die Kosten Deutschlands für den gesamten Ersten Weltkrieg hatten nur halb soviel betragen ( 163 Mrd. ). Und das besiegte Russland hatte 1918 im Frieden von Brest-Litowsk überhaupt keine Reparationen an die Sieger Deutschland und Österreich-Ungarn zahlen müssen. Man sieht im Ausland schon damals, wie völlig maßlos die eigenen Forderungen in Versailles sind. Dazu drei Siegerstimmen: Der damalige italienische Ministerpräsident Nitti: „Noch niemals ist ein ernstlicher und dauerhafter Friede auf die Ausplünderung, die Quälerei und den Ruin eines besiegten Volkes gegründet worden.“ Der amerikanische Außenamts-Staatssekretär Lansing noch während der Versailler Sitzungen: „Die Friedensbedingungen erscheinen unsagbar hart und demütigend, während viele von ihnen mir unerfüllbar erscheinen.“ Und Churchill in seinen Erinnerungen: „Die wirtschaftlichen Bestimmungen des Vertrages waren so bösartig und töricht, daß sie offensichtlich jede Wirkung verloren. Deutschland wurde dazu verurteilt, unsinnig hohe Reparationen zu leisten.“ Doch die rechtzeitigen und auch die späteren Einsichten führt nicht dazu, dem besiegten Deutschland eine Brücke zu bauen.
Die junge deutsche Republik hat außer den Reparationen auch noch die eigenen Kriegsanleihen abzutragen, die Unterstützung für die Kriegsopfer aufzubringen, die Entschädigungen für die in Elsaß-Lothringen verlorenen Sachwerte zu leisten und obendrein den Siegern die Besatzungskosten zu bezahlen. So kommt es, daß das Deutsche Reich schon die zweite Monatsrate nicht mehr voll bezahlen kann. Die Sieger besetzen daraufhin zum ersten Mal als Straf- und Repressionsmaßnahme einen Teil des Ruhrgebiets, die Städte Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort.
Im Mai 1921 legen die Siegermächte dann einen „endgültigen Reparationsplan“ fest, der allerdings nicht lange ( end- ) gültig bleibt. Die neue Schuld beträgt noch 132 Milliarden Goldmark plus einer 26%-Abgabe auf alle deutschen Exporte, was jährlich noch einmal bei 2 bis 3 Milliarden liegt. Auch 1922 kann die Weimarer Republik die Schulden nicht bezahlen. Als gegen Ende ´22 noch 1,6% der Jahresrate fehlen, marschieren belgische und französische Truppen ein zweites Mal ins Ruhrgebiet und besetzen Oberhausen und Essen. Die Reichsregierung Cuno ruft daraufhin zum „Passiven Widerstand“ gegen die Besatzungstruppen auf, was zur Erschießung von 14 deutschen Arbeitern und der Vertreibung von 80.000 Männern aus dem Ruhrgebiet führt, die damit Heim, Arbeitsplatz und Lohn verlieren. Frankreich unterbindet außerdem die Lieferung von Kohle von der Ruhr ins nicht besetzte Deutschland. Da die Weimarer Republik schon die Kohlereviere Saar an die Franzosen und Oberschlesien an die Polen hatte übergeben müssen, bricht mit dem Kohle-Embargo an der Ruhr die Energieversorgung im ganzen Deutschen Reich zusammen. Dem folgen der Kollaps der deutschen Industrieproduktion und kurz darauf auch der Zusammenbruch der Reichsmark-Währung. Es kommt zur Inflation, bis 4 Milliarden Reichsmark nur noch den Wert von einem Dollar haben. Es kommt zu hoher Arbeitslosigkeit und zur Verelendung eines großen Teiles der Bevölkerung in Deutschland.
1924 folgt der nächste Zahlungsplan der Sieger, der DAWES-Plan, der wieder keine Obergrenzen für die deutschen Zahlungspflichten nennt, aber geringere Jahresraten ansetzt. Deutschland – nach wie vor nicht zahlungsfähig - leiht sich das verlangte Geld bei US-Banken und zahlt seine Reparationen nun fünf Jahre lang mit immer neuen Schulden. 1930 wird der DAWES-Plan vom YOUNG-Plan abgelöst, der die „endgültige“ Höhe der Reparationen festlegt und die Zahlungsdauer 1988 enden läßt. Auch die YOUNG-Raten muß sich die Weimarer Republik bei Banken in den USA besorgen. Die Reste der DAWES- und der YOUNG-Anleihen zahlt die Bundesrepublik Deutschland noch bis zum Jahr 2010 bei Banken in den USA ab.
1930 beginnt die Weltwirtschaftskrise in Nordamerika. Die US-Banken – nun selbst in Schwierigkeiten - verlangen von den deutschen Schuldner-Banken, alle kurzfristigen Kredite der letzten Jahre sofort zurückzuzahlen, worauf im Sommer 1931 fast alle deutschen Banken Konkurs anmelden müssen. Es folgt die Zeit der Depression in Deutschland, die Zeit der 6 Millionen Arbeitslosen und der Versuch der Reichsregierung Brüning, die Weimarer Republik am Parlament vorbei mit Notverordnungen wirtschaftlich zu retten. Dies ist der Tod der Republik von Weimar .
Dieser Text ist eine Kurzfassung des entsprechenden ausführlichen mit Hintergründen, Quellenangaben und einer Karte versehenen Textes (Seiten 71-89) in dem Buch 1939 – Der Krieg der viele Väter hatte
595 Seiten / 5. Auflage OLZOG-Verlag
München 2006
ISBN-3-7892-8188-3
Der deutsche Pressejubel, den die Rede Angela Merkels vor dem US-Kongreß ausgelöst hat, ist mir unverständlich. Ich habe mich während der Übertragung für ihre Beflissenheit geniert. Natürlich muß eine Kanzlerin im Ausland nett sein zu den Gastgebern, erst recht, wenn es sich um das Parlament des mächtigsten Landes der Erde handelt.
Es wäre aber interessant, ihre Geschichte vom unterdrückten Aschenputtel, das sozusagen „ganz persönlich“ vom Weißen Ritter aus Übersee aus der kommunistischen Drachhöhle befreit wurde, mit den Wortbeiträgen abzugleichen, die sie als FDJ-Funktionärin und Austauschwissenschaftlerin in Moskau gehalten hat. Wahrscheinlich ist der Unterschied gering.
Merkels Rede entsprach jener blockübergreifenden Eindimensionalität, die Milan Kundera in seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ karikierte: Die Fotografin Sabina ist nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in die USA emigriert, wo ein Senator ihr die Vorzüge des amerikanischen Way of life erläutert. Auf seinem Gesicht liegt dabei „der Ausdruck des Verständnisses für eine Frau, die aus einem kommunistischen Land kam, wo es nach der festen Überzeugung des Senators weder das Gras wächst noch die Kinder rennen. Sabina aber stellte sich gerade in diesem Moment vor, dieser Senator stünde auf einer Tribüne irgendeines Platzes in Prag. Auf seinem Gesicht lag nämlich genau dasselbe Lächeln, das kommunistische Staatsmänner von ihrer Tribüne herab auf die Bürger richteten, die im Umzug vorbeiziehen und ebenfalls lächeln.“
Anführerin an der Spitze des Marschblocks
Merkel erschien mir wie die eifernde Anführerin an der Spitze eines Marschblocks von Schuldmädchen, die ihr „kategorisches Einverständnis mit dem Sein“ (M. Kundera) bekunden.
Das gilt auch für die Politikerin. Sie nannte ihren Auftritt eine „Stunde des Dankes“ für den Beitrag der USA bei der Überwindung der deutschen und europäischen Teilung. „Ich weiß, wir Deutschen wissen, wie viel wir ihnen, unseren amerikanischen Freunden, verdanken. Niemals werden wir, niemals werde ich Ihnen ganz persönlich das vergessen.“
Bei diesen Sätzen hatte ich das Gekrähe Erich Honeckers im Ohr, „für immer und unwiderruflich“ sei die die „Ditsche ‘kratsche ‘plik mit der Sowjetunion brüderlich verbunden“. Er hat bitter bezahlen müssen für die Annahme, die russischen Staatsräson sei mit seinen eigenen Interessen auf alle Zeit identisch.
Feinheiten der Geschichte
Über die Aufhebung der Teilung Deutschlands und Europas läßt sich nur sinnvoll reden, wenn man zugleich die Geschichte ihrer Entstehung in den Blick nimmt. Sie wurde nicht nur von einer Seite herbeigeführt. Indem die Westmächte auf der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands bestanden, nahmen sie wissentlich in Kauf, daß Stalin sein Imperium bis an die Elbe ausdehnte.
Über die Nachkriegszeit schreibt der Yale-Historikers John Lewis Gaddis in seinem 2007 erschienen Buch „Der kalte Krieg“ unverblümt: „Stalin tappte in die Falle des Marshallplans, die darin bestand, ihn dazu zu bringen, die Mauer zu errichten, die Europa teilen sollte.“
Natürlich kann eine Kanzlerin so etwas unmöglich sagen. Aber sind sie und ihre Redenschreiber mit solchen Feinheiten der Geschichte wenigstens vertraut?
Artikel der JUNGEN FREIHEIT
London – Der ehemalige fachistische italienische Diktator Benito Mussolini hat offenbar während des Ersten Weltkrieges für die Geheimdienste Großbritanniens gearbeitet – meldete die Londoner Zeitung “The Guardian” am Mittwoch unter Berufung auf auf den Historiker Peter Martland von der Universität von Cambridge.
Im Jahre 1917 soll demnach der damals 34-jährige Journalist Benito Mussolini vom britischen Geheimdienst MI5 rekrutiert worden sein. Für seine Leistungen bekam er das Äquivalent von heutigen etwa 6400 Euro pro Woche, eine wahrhaft sehr hohe Entlohnung. Mussolini war auch Gründer der Zeitung “Il Popolo d’Italia”, welche für einen Verbleib Italiens bei den Alliierten Reklame machte.
Auf den Spuren von Mussolini Tätigkeiten in jener Zeit kam der Martland durch die Prüfung von Dokumenten eines Sir Samuel Hoare, ein britischer Abgeordneter und Agentenführer des MI5 in Rom. Es war Hoare der die Zahlungen für den Italiener genehmigte, was er auch schon in seinen Memoiren im Jahre 1954 veröffentlichte.
“Es war eine Menge Geld die dieser junge Journalist damals von den Briten bekam. Ich habe keine Beweise, vermute aber dass Mussolini seinen Agentenlohn dazu nutzte zu einem renommierten Frauenheld aufzusteigen” – erklärte Historiker Peter Martland im “Guardian”.
Quelle: Polskaweb

Jaruzelski
Warschau
– Es scheint nur noch eine Frage der Zeit und Millionen Geschichtsbücher in allen Ländern über die Ereignisse um den zweiten Weltkrieg könnten auf dem Müll landen, denn schon ist bekannt dass in vielen Bereichen Historiker geschwindelt, oder aus Propagandazwecken mit falschen Angaben gefüttert worden waren. Manipuliert wurde offenbar vor allen Dingen bei Opferzahlen und der ethnischen Herkunft von Tätern und Opfern. Behilflich sind in dieser Entwicklung, neben jüngst erst zugänglich gemachten Archiven, auch osteuropäische Politiker, Gerichte und Zeitzeugen, die nun bewusst oder unbewusst ehrlich, teils sensationelle Aussagen machen, Urteile fällen und hierdurch traditionelle Geschichtsfälscher geradezu in Panik versetzen. Eine derartige, unzweifelhaft spektakuläre, Aussage machte ausgerechnet vor wenigen Tagen der ehemalige polnische Staatspräsident Wojciech Jaruzelski in einem ausführlichen Interview mit der Moskauer Tageszeitung “Iswestija”.
Eigentlich ging es in diesem Interview der populären russischen Zeitung “Iswestija” mit Jaruzelski um die Frage warum er im Jahre 1981 das Kriegsrecht eingeführt hatte, doch er wird auschweifen. “Es war ein Albtraum für mich, aber für eine bessere, polnische Variante, hatte man keine Zeit. Wenn ich damals ein sowjetischer General gewesen wäre und mit ansehen musste was in Polen passiert, hätte ich mich entschlossen zu intervenieren. Ich wusste was uns drohte, wenn wir das Kriegsrechts nicht ausgerufen hätten, denn ich kannte die Realitäten jener Zeit. Ich erinnere mich sehr gut an die Worte Leonid Breschnews, der konterrevolutionäre Stimmungen in Polen nicht zum Schicksal des Friedens in Europas ausarten lassen wollte” – sagte der General.
Jaruzelski: “Das Kriegsrecht war schlimm, aber weniger dramatisch als eine Katastrophe die auf der Schwelle stand. Der Ausnahmezustand hatte politische Ursachen. In der Kommunistischen Partei Polens gab es Dogmatiker (Jaruzelski: “Troglodyci”), die keine Reformen wollten, und sie waren bereit diese um jeden Preis zu verhindern. Sie hatten heimlich Kontakt mit der Führung der Sowjetunion und forderten eine militärische Intervention. Man darf hierbei nicht vergessen, dass auch Breschnew noch von vielen alten Dogmatikern umgeben war. Das Kriegsrecht hatte aber auch wirtschaftliche Hintergründe, denn zum 1. Januar 1982 bedrohte Polen die Einstellung der Gaslieferungen. Schon im Dezember 1981 fühlten wir eine Verschlechterung der Energieversorgung”.
Der General schweifte an dieser Stelle des Interview dann aus und spricht über verschiedene Dinge wie z.B. Elemente eines US-Raketenabwehrsystems, die er wohl kaum als Garantie für mehr Sicherheit betrachte, und kommt wie aus heiterem Himmel zu der Erkenntnis, dass er zwar schon sehr viel wisse, aber in vielen Dingen sein Gehirn dennoch immer noch mit Rätseln früherer Zeiten konfrontiert werde, wozu zum Beispiel eine mysteriöse Bevölkerungsexplosion im Nachkriegspolen gehöre:
“Es fehlt mir bis heute das Verständnis wie in meinem Land nach dem Ende des Krieges 24 Millionen Polen gezählt wurden und schon bei der nächsten Volkszählung im Jahre 1970 waren es plötzlich 14 Millionen Polen mehr. Dann endete, wie vom Blitz getroffen, die Bevölkerungsexplosion und pendelte sich beim Stande von 38 Millionen auf eine Einwohnerzahl ein, die noch heute unverändert gilt. Offenbar war es ein starkes Aphrodisiakum was zur Geburt von x- Millionen neuer Polen führte, denn in den Lebensmittelgeschäften gab es nur Essig und Millionen starben ja auch nach dem Kriege” – gab der ehemalige polnische Präsident gegenüber den hiermit überraschten Journalisten der Tageszeitung “Iswestija” zu.
Tatsächlich ist selbst die bisher bekannte offizielle Enwicklung des polnischen Bevölkerungswachstums in der Nachkriegszeit sehr mysteriös, die sich mit der von Wojciech Jaruzelski “nur” um ca. 6 Millionen Menschen unterscheidet. Laut dem Ex- Präsidenten, der in Polen trotz seiner Kriegsrechtgeschichte, überwiegend als honoriger Mann gilt, waren im Jahre 1946 nur noch 24- von einst 37 Millionen Polen der späten 30er Jahre vorhanden. Demzufolge fehlten 13 Millonen Polen, wovon nach polnischen Angaben 5,9 Millionen im Kriege ums Leben gekommen sein sollen, hierunter knapp 2.9 Mio. Juden, das Schicksal der restlichen 7 Millionen Polen gilt noch heute als ungeklärt. Zahlen der polnischen Statistikbehörde (GUS) beziffern die Einwohner Polens im Jahre 1946 mit 23,6 Mio und 1970 mit 32,7 Millionen, 5, 8 Millionen weniger als 1990, als der Kommunismus vorbei war und fortan in Polen 38 Millionen Menschen lebten.
Seit dem Ende des Kommunismus liegt die Geburtenrate in Polen bei nur 1,3 Kindern pro Frau, das Bevölkerungswachstum liegt, auch fast 20 Jahre nach 1990, bei 0,00 … Prozent. Laut Jaruzelski stagniert dieses Wachstum aber schon seit 1970. In welchem gigantischen Ausmaß musste also die Geburtenrate in Polen schon kurz nach dem Kriege eingesetzt haben um seine Aussage nachvollziehen zu können. Eine Bevölkerung von 23,6 Millionen Polen, produzierte nach offizieller (Gus) Statistik im Jahre 1946 etwa 312 000 Kinder. Hiervon starben während oder kurz nach der Geburt ca. 72.500. Aber nicht nur die Kindersterblichkeit war 1946 noch enorm hoch, sondern es war allgemein so. Zudem sollen ja mehrere Millionen Männer im besten Alter im Kriege gestorben sein. Bigamie war strengstens verboten, uneheliche Kinder wurden als “Bastarde” beschimpft und “in den Läden gab es nur Essig” wie General Jaruzelski gegenüber “Iswestija” zugab.
Die offiziellen polnischen Statistiken der GUS sind unter Vorbehalt zu betrachten, da hier der Einfluss sowjetischer Doktrinen kaum auszuschliessen sind. Doch einer der mächtigsten noch lebenden Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges und der kommunistischen Zeit in Polen gibt hier genauere Auskunft. Jaruzelski hatte die Sowjets vor allen Dingen von ihrer schlechten Seite kennengelernt. Er weiss mehr von der Wahrheit um Kriegs- und Nachkriegszeit in Polen als alle Historiker zusammen bis heute zu Papier brachten. Er litt schon mit seinem Vater im sowjetischen Gulag und kämpfte dann in der roten Armee gegen die Deutschen. Er weiss was in Auschwitz und Majdanek geschah oder nicht geschah, er hat das Sterben der Deutschen Zivilbevölkerung in Danzig, Stettin und anderswo mit ansehen müssen und steht heute in Polen vor Gericht, weil er Angst um sein Volk vor dem ihn bestens bekannten Grausamkeiten der Sowjets hatte. Der elegante alte Herr argumentiert ruhig und besonnen vor den Medien und vor Gericht. Keiner sollte annehmen, dass er nicht genau weiss was er tut.
Im Zusammenhang mit der seltsamen Bevölkerungsexplosion zwischen 1946 und 1970 in Polen sind verschiedene Dinge aufgefallen bzw. erwähnenswert, auch wenn sie hierbei keine Bedeutung haben müssen. Das Schicksal von Millionen Babies und Kleinkindern während des zweiten Weltkrieges und der Vertreibungszeit ist weitestgehends ungeklärt. Offiziell heisst es zwar, dass alle jüdischen Kinder die vermisst werden, vermutlich durch die Nazis ermordet worden seien, polnische Kinder nach Deutschland verschleppt, bzw. Opfer von SS und Wehrmacht wurden, sowie deutsche Kinder durch die Strapazen der Vertreibungen und an Krankheiten auf dem Wege zu den Grenzen starben. Bewiesen wurde dies aber im Sinne einer Nachvollziehbarkeit in ihrer Gesamtheit bis heute nicht, obwohl viele Fälle dieser Art durchaus bekannt zu sein scheinen, die aber nicht unbedingt auf das ungeklärte Schicksal von Millionen hinweisen.
Kontrovers erscheint dagegen ein normales polnisches Telefonbuch, wo man auf jeder beliebigen Seite noch dutzende, wenn auch polonisierte jüdische- und deutsche Nachnamen findet, obwohl diese Minderheiten im Lande offiziell nur noch aus Bruchteilen bestehen sollen. Aktuell ein deutsch-polnisches Geschichtsbuch auf Basis von Erkenntnissen aus dem kalten Kriege zu schreiben und hierin gar noch alte polnische oder sowjetische Statistiken einzubauen, käme einem Tritt in den Hintern von ehrlichen Historikern und Politikern gleich. Viel weiter mit historischen Wahrheiten erweist sich ausgerechnet Russland. Erst vor wenigen Tagen sagte selbst der russische Präsident, dass neben Hitler auch Stalin die Welt ins Unglück gestürzt habe. Nach Ansicht vieler Russen war der Diktator gar schlimmer als Hitler. Auch hat ein russisches Gericht kürzlich x- tausende Deutsche rehablitiert die zu Unrecht in sowjetischen Arbeitslagern dahinsiechten, oder gar hingerichtet wurden. Kein Trost für die Opfer und deren Angehörigen, aber zumindest ein wesentlich bedeutender Schritt und Beitrag zur europäischen Völkerverständigung, an der Polens “Elite” so wenig zu liegen scheint.
Artikel von POLSKAWEB
