Türkische Politiker fordern einen Boykott gegen die Schweiz. Dies, obwohl die Christen in der Türkei seit Jahren verfolgt und ermordet werden.
«Wohlhabende Muslime aus aller Welt, zieht eure Vermögen aus der Schweiz ab und legt sie in der Türkei an», forderte gestern ausgerechnet der türkische Europaminister Egemen Bagis. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Schweiz bereits zuvor als rassistisch, faschistisch und islamophob bezeichnet.

Der Islam missioniert mit dem Schwert...
Ein Schuss, der gerade bei der Türkei nach hinten losgehen könnte: Nicht nur, weil jedes Jahr rund 250 000 Schweizer Touristen ihre Ferien in der Türkei verbringen und dringend nötige Devisen ins Land bringen. Gerade Christen geniessen in der Türkei kaum Religionsfreiheit. Im Gegenteil: Sie werden gezielt verfolgt. «Kirchen werden zerstört, Klöster enteignet», weiss Ueli Haldimann von CSI-Schweiz (Christian Solidarity International). «Auf der Strasse werden Christen beschimpft und angegriffen. Manchmal kommt es sogar zu Morden. Die Täter von Übergriffen kommen in der Regel davon.» Türkische Christen, vor allem Aramäer und Armenier, dürften ihre Religion nicht offen leben, sprächen sie mit Muslimen über ihren Glauben, drohe ihnen Verfolgung. «Was die Türkei von uns erwartet, nämlich die Toleranz gegenüber anderen Religionen, hält sie selber nicht ein», so Haldimann. Die systematische Verfolgung zeigt Wirkung: Waren vor 100 Jahren noch über 20 Prozent der Türken christlich, sind es heute noch 0,2 Prozent. Der türkische Botschafter in der Schweiz wollte dazu keine Stellung nehmen.
Quelle: 20-Minuten-online
Mainz (idea) – Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mainz gegen das ZDF wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gehen weiter. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.
Die Staatsanwaltschaft werte zurzeit den umstrittenen Beitrag „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“ des ZDF-Magazins „Frontal 21“ vom 4. August und eine Stellungnahme des öffentlich-rechtlichen Senders aus. In dem Beitrag hatten die Verfasser Arndt Ginzel, Martin Kraushaar und Ulrich Stoll Evangelikale in die Nähe islamistischer Selbstmordattentäter gerückt. Daraufhin waren bei der Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen eingegangen, unter anderem von dem Verleger Ulrich Weyel (Gießen) und dem ehrenamtlichen Geschäftsführer des Freien Evangelischen Regionalverbands Hannoversch Münden, Karl-Heinz Schröder. Ihrer Ansicht nach haben die Autoren den falschen Eindruck erweckt, Evangelikale seien dasselbe wie „terroristische, radikale und verfassungsfeindliche Organisationen“. Die Verantwortlichen der Sendung hätten in der Bevölkerung „Hass, Herabwürdigung und massive Vorbehalte“ gegen Christen geweckt, die in der Sendung pauschal als „evangelikal“ diskreditiert und dadurch massiv in ihrem öffentlichen Auftrag behindert worden seien. Anlass für die umstrittene Berichterstattung war die Entführung von neun Christen im Jemen. Drei von ihnen – eine Koreanerin und zwei junge Frauen aus Deutschland – waren am 15. Juni ermordet aufgefunden worden; von den anderen Entführten fehlt bislang jede Spur.
Der Kirchenrat der Schweiz sieht eine Verbesserung für Christen in kommunistischen Ländern, in islamischen Ländern verschlechtert sich die Lage. Am schlimmsten ist die Situation im Irak.
Über die Verschlechterung der Situation von Christen vor allem in islamischen Ländern hat der Zürcher Kirchenrat seine Besorgnis ausgedrückt. Am schlimmsten sei die Lage im Irak, wie Kirchenratspräsident Ruedi Reich am Freitag bei der Präsentation des neuen Synodenberichts über verfolgte Christen hervorhob. Während sich in den vergangenen zehn Jahren die Lage in kommunistischen Ländern wie China und Vietnam deutlich verbessert habe, sei sie in islamischen Ländern schwieriger geworden. Eingeschränkte Kultusfreiheit, soziale Ausgrenzung, systematische Verfolgung – die Palette der Widrigkeiten, denen sich Christen in vielen Ländern ausgesetzt sehen, ist laut dem Bericht breit.
Selten würden Christen nur wegen ihres Glaubens verfolgt. Geschichtliche Vorkommnisse wirkten sich häufig bis heute aus. Reich nannte etwa den Kolonialismus und damit einhergehende “problematische Formen der Missionierung”. Eine Rolle spiele auch die wirtschaftliche Dominanz des Westens und die weltweit wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Aber auch ethnische Spannungen in einem Land, Clan-Kämpfe oder Konflikte um Ressourcen wie Wasser oder Land könnten hinter religiösen Spannungen stehen. Reich warnte denn auch vor Pauschalisierungen: Die Situation sei von Land zu Land unterschiedlich und die Ursachen für Diskriminierung und Verfolgung von Christen “vielfältig und komplex”.
Im Irak ist die Zahl der Christen von 1,4 Millionen 1987 auf weniger als 400.000 im Jahr 2007 zurückgegangen. Hunderttausende sind nach Syrien und Jordanien geflüchtet. Seit der US-Invasion und dem Sturz des Baath-Regimes von Saddam Hussein 2003 seien die irakischen Christen “systematischem Terror von islamistischen Gruppen und kriminellen Banden ausgesetzt”, heißt es in dem Bericht. Dutzende von Geistlichen wurden ermordet, wie der entführte chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, dessen Leiche auf einer Müllhalde gefunden wurde. (DIE PRESSE)
Kairo (idea) – In Ägypten muss ein koptisch-orthodoxer Geistlicher um sein Leben fürchten, weil er in seinem Privathaus einen Gebetssaal einrichten will. Der Priester Estefanos Shehata aus der oberägyptischen Ortschaft Ezbet Dawood Youssef, etwa 200 Kilometer südlich von Kairo, hat größtenteils in Eigenleistung einen etwa 100 Quadratmeter großen Raum errichtet.

Pastor Shehata - sein Leben ist bedroht
Dort will er zum Beispiel Trauungen und Trauergottesdienste für die 800 orthodoxen Dorfbewohner abhalten. Bisher führt er solche Feiern auf der Straße durch. Wegen der religiösen Nutzung beantragte er eine Genehmigung bei den staatlichen Sicherheitsbehörden. Dort wurde er angewiesen, zuerst die Zustimmung der Dorfältesten und muslimischen Führer einzuholen. Diese reagierten verärgert und verhängten eine Fatwa (religiöses Rechtsgutachten), die es erlaubt, den Priester zu töten. Nach der Verkündung des Todesurteils musste der Geistliche das Dorf verlassen, berichtet die in Frankfurt am Main ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Zwei Moscheen, keine Kirche
Die Ortschaft Ezbet Dawood Youssef verfügt über eine Moschee; eine zweite ist im Bau. Hingegen müssen die Christen zum Gottesdienst in den fünf Kilometer entfernten Nachbarort El-Tayebah laufen. Die IGFM protestiert gegen die Bedrohung und Benachteiligung von Christen. „Die Kopten sind Steuerzahler und ägyptische Staatsbürger. Ihre fortwährende Diskriminierung ist durch nichts zu rechtfertigen“, erklärte Vorstandssprecher Martin Lessenthin. In Ägypten stellen Christen mit schätzungsweise acht bis zehn Millionen Personen rund acht Prozent der etwa 79 Millionen, meist muslimischen Staatsbürger. In ihrer Mehrheit sind die Christen orthodoxe Kopten. Es gibt auch kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.

Erdogan - mit Heiligenschein?
Istanbul ( idea) – Der türkische Premierminister Recep Tayipp Erdogan hat den religiösen Minderheiten in dem überwiegend muslimischen Land Gleichbehandlung zugesagt. Es sei unerlässlich, allen 71,5 Millionen Einwohnern mit Respekt und Liebe zu begegnen, sagte er nach einem Mittagessen mit christlichen und jüdischen Religionsführern am 15. August in Istanbul.
Erdogan sprach sich gegen jede Form von religiösem Nationalismus aus. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN räumte er ein, dass es noch Mängel bei der Gleichbehandlung religiöser Minderheiten gebe. Daran werde man im Zuge der Demokratiereformen arbeiten. Die EU drängt im Zusammenhang mit den Beitrittsverhandlungen auf eine Verbesserung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in der Türkei. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Von den Christen sind etwa 65.000 armenisch-orthodox, 20.000 römisch-katholisch, 2.000 griechisch-orthodox und etwa 4.000 protestantisch, vor allem evangelikaler Prägung. Vielfach handelt es sich um Konvertiten vom Islam. Ferner leben in der Türkei rund 23.000 Juden. An dem Gespräch nahmen das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., der armenisch-apostolische Erzbischof Aram Atesyan, der syrisch-orthodoxe Metropolit Yusuf Cetin sowie Oberrabbiner Ishak Haleva teil.
Evangelikale beklagen Gewalt
Die Orthodoxen fordern unter anderem die Wiedereröffnung des 1971 geschlossenen Priesterseminars auf der Insel Chalki. Die katholische Kirche legt Wert darauf, dass weiter christliche Gottesdienste in der Pauluskirche zu Tarsus gefeiert werden können. Dort wurde vor 2.000 Jahren der Völkerapostel Paulus geboren. Papst Benedikt XVI. hatte aus diesem Anlass ein Paulus-Jahr von Juni 2008 bis Juni 2009 ausgerufen. Evangelikale beklagen teilweise gewalttätige Übergriffe nationalistisch gesinnter extremistischer Muslime. Die bisher schlimmste Ausschreitung ereignete sich am 18. April 2007 im Zirve-Verlag von Malatya, der Bibeln in türkischer Sprache druckt. Dort wurden drei Christen gefesselt, gefoltert und umgebracht. Bei den Opfern handelte es sich um den Deutschen Tilmann Geske sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel.
